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Kriminalität an Kindern: wesentliche Probleme und Lösungen im Ermittlungsablauf

Kindesmissbrauch im digitalen Zeitalter ist stärker verbreitet denn je, und Strafverfolgungsbehörden brauchen innovative Lösungen. Besorgniserregend ist die Statistik des National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC): So gingen allein im Jahr 2022 fast 32 Millionen Meldungen ein.

Diese umfassten eine enorme Bandbreite von Straftaten, unter anderem Erstellung von Materialien zu sexuellem Kindesmissbrauch, Online-Verführung, Sexhandel und sexuelle Belästigung. Das erschreckende Ausmaß macht einen kollektiven, technologisch fortschrittlichen Ansatz dringend notwendig.

Dieser Notwendigkeit steht jedoch eine Fülle von Problemen bei der Bekämpfung der Internetkriminalität an Kindern gegenüber – von einer überwältigenden Falllast bis hin zu ständig neuen digitalen Taktiken seitens der Straftäter.

Hürden bei Ermittlungen zu Internetkriminalität an Kindern

Die Abteilung für Internetkriminalität an Kindern der Polizeibehörde Seattle bietet einen Einblick in die komplexen Herausforderungen bei der Ermittlungsarbeit. Als führende Behörde des Bundesstaats Washington filtert die Polizeibehörde Seattle CyberTip-Verweisungen, bearbeitet externe Unterstützungsanfragen zur Strafverfolgung und verwaltet Anfragen ausländischer Behörden im Bereich zu Internetkriminalität an Kindern. Zu den Problemen zählen:

1. Überwältigende Falllast und Gerätemenge

Im Bereich der Internetkriminalität an Kindern tätige Behörden sind aufgrund des erheblichen Zuwachses an monatlichen Verweisungen mit einer zunehmenden Falllast konfrontiert. So erlebte etwa das Team der Polizeibehörde Seattle im Jahr 2020 einen deutlichen Anstieg der Verweisungen, die sich auf durchschnittlich 425 bis 450 Fälle monatlich beliefen – ein alarmierender Anstieg um 240 % innerhalb der sechs Jahre seit 2014. Zudem stellten die Beamten Durchsuchungsbeschlüsse für bis zu 50 technologische Geräte gleichzeitig aus, da die Täter für ihre Verbrechen mehrere Geräte verwendeten.

Durch diese schlagartige Entwicklung standen Ermittler unter enormem Druck, was wiederum eine effiziente Verwaltung und Planung der Ermittlungsarbeit behinderte.

2. Technisch versierte Straftäter

Kindesmissbrauchstäter haben sich an den technischen Fortschritt angepasst und nutzen Dark-Web-Plattformen, Peer-to-Peer-Technologien, IP-Anonymisierung und Proxys.

„Dies sind alles verschiedene Tools, zu denen Tatverdächtige Zugang haben, um ihre Spuren zu verwischen. Das war vor zehn Jahren noch viel seltener der Fall, aber heute ist es viel häufiger“, erklärte Detective Ian Polhemus von der Polizei in Seattle.

Der technologische Wettlauf erhöht die Komplexität der Ermittlungen und erfordert eine ständige Anpassung der Strafverfolgungsbehörden.

3. Zeitdruck

In Fällen von Kindesausbeutung ist Zeit ein entscheidender Faktor. Oder wie Captain Edwards von der Polizeibehörde Seattle betont: „Die Zeit ist unser Feind. Alles, was den Zeitaufwand erhöht, erschwert die Sache zusätzlich.“

Komplexe Ermittlungen, zu denen sich noch Faktoren wie Verschlüsselung und internationale Speicherung gesellen, erhöhen den Zeitaufwand, wodurch es schwierig wird, zeitnah einzugreifen.

4. Personalmangel und ungewisse Finanzierung

Eine starke Personalfluktuation bei den Ermittlern aufgrund der emotional fordernden Art der Arbeit sowie ein Mangel an Finanzierungsmitteln gefährden die nachhaltige Arbeit der Strafverfolgungsbehörden im Bereich der Internetkriminalität an Kindern. Durch geplante Budgetkürzungen herrscht zusätzliche Unsicherheit in Bezug auf die Verfügbarkeit von Personal und Ressourcen.

Digital Intelligence (DI) in Aktion

Trotz dieser enormen Herausforderungen ist gerade die Technologie auch ein wertvolles Tool für Strafverfolgungsbehörden im Bereich der Internetkriminalität an Kindern. Im Zuge des technologischen Fortschritts müssen die Beamten über die entsprechenden Schulungen und Instrumente verfügen, um Kindern in Schwierigkeiten zu helfen und schnell verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen.

„Es ist wichtig, Technologien und Schulungen zu finden, die funktionieren und eine breite Gruppe ansprechen“, erklärte Kapitän Edwards.

Ein wesentlicher Faktor ist der Erhalt der Beweismittelkette während digitaler Ermittlungen. Die Nutzung eines Systems zur Verwaltung digitaler Beweismittel (Digital Evidence Management System, DEMS) in Verbindung mit einem System zur Verwaltung von Fällen bietet hierbei einen klaren Vorteil. Durch den Einsatz eines DEMS können Behörden in allen Phasen eines Falls Beweismittel schützen und verwalten.

Zusätzlich spielt auch eine KI-gestützte Analyselösung eine wesentliche Rolle bei der Verwaltung der überwältigenden Menge an digitalen Daten. Diese Tools durchforsten effizient riesige Datensätze und stellen Ermittlern im Handumdrehen wesentliche Erkenntnisse zur Verfügung. Dadurch ist eine schnellere Ermittlungsarbeit möglich, und das überarbeitete Personal wird entlastet.

Moderne DI-Lösungen ermöglichen einen autorisierten Informationsaustausch zwischen Abteilungen und über Ländergrenzen hinweg. Dieser kooperative Ansatz ist für die Bewältigung komplizierter Fälle, an denen oft Täter beteiligt sind, die in verschiedenen Ländern tätig sind, unerlässlich. DI-Lösungen können Ermittler zwar nicht ersetzen, aber sie sparen Zeit und entlasten Abteilungen, die mit Personal- und Ressourcenmangel zu kämpfen haben.

Fazit

Der Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern erfordert ein vielschichtiges Konzept, das technologische Fortschritte, umfangreiche Finanzmittel und ständige Fortbildung miteinander verbindet. Mit diesem strategischen Ansatz sind Strafverfolgungsbehörden in der Lage, in der komplexen Internetlandschaft wirksam gegen Kindesmissbrauch vorzugehen.

Angesichts der vielschichtigen Entwicklungen des digitalen Zeitalters ist ein gemeinsames Vorgehen unabdingbar, um künftig mehr Sicherheit für Kinder in der digitalen Welt zu bieten.

Wie das Prince William County Police Department digitale Forensik nutzt, um Fälle von Kindesmissbrauch schnell vor Gericht zu bringen


In den USA sieht die Realität in Bezug auf Kindesmissbrauch düster aus. Laut dem Rape, Abuse & Incest National Network (RAINN) war bereits jedes neunte Mädchen und jeder zwanzigste Junge unter 18 Jahren mit sexuellem Missbrauch konfrontiert. Werden Strafverfolgungsbehörden auf einen Fall aufmerksam, ergibt sich oft rasch ein erschreckendes Bild mit zahlreichen weiteren Opfern und Inhalten zu sexuellem Kindesmissbrauch.

Durch die Omnipräsenz digitaler Geräte können Strafverfolgungsbehörden eine Fülle von Informationen zutage fördern, wenn sie Smartphones, Computer und sogar Fahrzeug-Infotainmentsysteme beschlagnahmen. Diese potenziellen Beweismittel helfen, die Aussage eines Tatverdächtigen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, und können zur Identifikation von Opfern und weiteren Beteiligten führen.

So auch in einem Fall des Prince William County Police Department, der mit einer scheinbar routinemäßigen Übertragung durch die Abteilung für besondere Opfer begann – und an dessen Aufklärung zuletzt auch das ICAC und die Abteilung für digitale Forensik der Behörde beteiligt waren.

Das Problem in Kinderbetreuungsstätten

Helga Thorsdottir, Police Detective – Prince William County Police Department Source: Cellebrite
Helga Thorsdottir, Police Detective – Prince William County Police Department Source: Cellebrite

Kriminalbeamte Helga Thorsdottir erinnert sich: „Ich bekam einen Anruf, während ich wegen eines anderen Falls vor Ort ermittelte. Der Anruf stammte von den Child Protective Services, und es ging um ein vierjähriges Mädchen, das erzählt hatte, dass ihr Lehrer sie gekitzelt hatte“, so Thorsdottir.

„Wir haben eine forensische Befragung des Kindes durchgeführt und bestätigt, was sie uns erzählt hat: dass Sie der Betreuer in der Kinderkrippe unangemessen berührt hat.“

Der Tatverdächtige wurde befragt und inzwischen wurde sein Telefon per Durchsuchungsbeschluss beschlagnahmt. In Zusammenarbeit mit einer ICAC-Einsatztruppe, die über Cellebrite-Lösungen verfügte, konnten die Ermittler sich Zugriff auf belastende Inhalte verschaffen, die schnell zu einem Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Tatverdächtigen führten.

Mehrere Geräte, von Computern bis hin zu Smartwatches des Tatverdächtigen, wurden beschlagnahmt, um im Labor für digitale Forensik des Landkreises unter der Leitung von Sergeant Ryan Whaley, der seit 2014 das Labor führt, einer Analyse unterzogen zu werden.

Das Labor

Das Anfang 2000 geplante Prince William County’s Digital Forensics Lab entstand als Erweiterung der Einheit für Eigentumsdelikte, als einer der Kriminalbeamten die Möglichkeit erhielt, eine kostenlose Schulung im Bereich der Computer-Forensik zu erhalten.

Das Labor wurde im Jahr 2008 offiziell mit einem Leiter und zwei ausgebildeten Kriminalbeamten gegründet. Mit der Weiterentwicklung der Abteilung im Laufe der Jahre kamen auch neue Mitarbeiter und technologische Ausrüstung hinzu, die nun fortschrittliche Extraktions- und Dekodiertools umfasst.

Nachforschungen in verzweigten Tiefen

Katie Zaimis, Master Detective for the Digital Forensics Lab – Prince William County Police Department – Source: Cellebrite

„Der Weg der meisten Geräte führte irgendwann durch unser Labor. Drei Computer, Mobiltelefone und ein paar Laufwerke“, erklärt Katherine „Katie“ Zaimis, leitende Kriminalbeamtin des Forensik-Labors.

Gemeinsam konnten sie Inhalte extrahieren, die auf Kinderpornografie und Kindesmissbrauch schließen ließen. Außerdem deuteten die Daten auf weitere Opfer hin. „Es wurde klar, dass der Verdächtige auch auf dem Spielplatz seine Smartwatch dabeihatte, um Fotos von den Kindern aufzunehmen“, fügt Detective Helga hinzu.

Der Tatverdächtige legte letztlich ein umfassendes Geständnis ab und wurde angeklagt.

Als der Fall an die Öffentlichkeit kam, meldeten sich noch weitere Opfer, und die digitalen Beweismittel erhärteten nicht nur das Geständnis des Tatverdächtigen, sondern auch die Aussagen der Opfer. „Bei den Opfern in diesem Fall und ihren Familien, denen mitgeteilt wurde, dass alle diese Dinge geschehen sind, ist es uns gelungen, die Aussagen [mit digitalen Beweismitteln] zu untermauern“, so Detective Helga.

Fälle wie diese sind keine Seltenheit für das Prince William County PD, denn im Labor wurden allein im vergangenen Jahr mehr als 300 Geräte analysiert, wodurch Ermittlungen in hochkarätigen Fällen unterstützt werden konnten. Dadurch wiederum wurde die Zeit bis zum Gerichtsverfahren verkürzt.

Im Jahrzehnt seit seiner Gründung wurden wichtige Erkenntnisse gemacht:

Zusammenarbeit ist unabdingbar

„Ich halte Zusammenarbeit für sehr wichtig, und das nicht nur in technologischer Hinsicht. Zu uns ins Labor kommen Menschen, die uns bitten, bestimmte Arbeiten zu übernehmen, weil sie nicht über ein spezielles Tool verfügen, das wir haben, aber auch umgekehrt. Aus diesem Grund ist die Vernetzung in unserem Bereich extrem wichtig. Und wenn man anderen hilft, sind diese wiederum eher bereit, einem selbst zu helfen, wenn man gerade Hilfe benötigt“, erklärt Detective Zaimis.

Prince William County Police Department – Source: Cellebrite

Schulungen bewirken bessere Ergebnisse

Detective Zaimis betont diesen Aspekt: „Schulungen sind in unserem Bereich extrem wichtig. Man muss immer auf dem neuesten Stand bleiben. Innerhalb kürzester Zeit sehen die Dinge wieder ganz anders aus. Wenn wir uns nie verändern, keine Schulungen besuchen und unsere Methoden und Ermittlungsverfahren nicht aktualisieren, werden wir auf der Strecke bleiben.

Alte Hasen, neue Tricks

Oder wie es Sergeant Whaley ausdrückt: „Gemäß der Philosophie unserer Behörde schulen wir andere Kriminalbeamte, die dann als Teilzeitprüfer arbeiten. Letztes Jahr waren hier meistens um die drei Kriminalbeamte, die Cellebrite-zertifiziert sind und wissen, wie sie für ihre Abteilung Telefone bearbeiten.“

Durch die verstärkten Kapazitäten des Labors kann das Prince William County PD digitale Beweismittel verarbeiten, Fallrückstände abbauen und Engpässe überwinden.

Fazit

Das Prince William County Police Department spielt bei der Bekämpfung von Kindesmissbrauch eine Schlüsselrolle. Seine gekonnte Nutzung von digitalen Ermittlungslösungen hat zur Aufklärung schwieriger Fälle, der Identifikation von Opfern und der erfolgreichen Strafverfolgung von Verbrechern geführt.

Die Zusammenarbeit, laufende Schulungen sowie die Einführung fortschrittlicher Technologien wie die Cellebrite-Lösungen bewirkten eine schnellere Verarbeitung digitaler Beweismittel und die Unterstützung hochkarätiger Ermittlungen.

Mit ihrem unermüdlichen Einsatz für Gerechtigkeit seit mehr als einem Jahrzehnt ist die Behörde ein Vorreiter und zeigt, wie wichtig Zusammenarbeit zum Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen ist.

Eine Version dieses Artikels wurde ursprünglich im Cellebrite-Blog veröffentlicht: https://cellebrite.com/en/how-prince-william-county-police-department-leverages-digital-forensics-in-child-exploitation-cases-to-serve-swift-justice/  

Neue Technologien verringern Traumata von Ermittlern im Bereich des Kindesmissbrauchs

Kinder zählen zu den verletzlichsten Mitgliedern unserer Gesellschaft. Tragischerweise bedeutet das auch, dass sie Opfer der schlimmsten, gewaltsamsten Verbrechen werden.

Strafverfolgungsbeamte widmen sich mutig dieser Ermittlungsarbeit voller erschütternder Momente, was oft massive psychische Auswirkungen hat. Mithilfe neuer Technologien könnte es möglich werden, die wachsende Zahl traumatisierender Erfahrungen bei Ermittlern zu verringern.

Es passiert einfach zu oft: Eine weitere Schlagzeile, ein weiteres vermisstes Kind. Und wieder Eltern, die mit der unvorstellbaren Trauer leben müssen, weil sie ihr Kind verloren haben. Tag für Tag werden Kinder überall auf der Welt Opfer von Sexhandel, Entführungen und Missbrauch – eine wahre Epidemie, die sich ungehindert ausbreitet. 2022 gingen bei der CyberTipline des National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) mehr als 32 Millionen Meldungen zu vermutetem sexuellem Kindesmissbrauch ein.

Durch den zunehmenden Fortschritt der Technologien werden Verbrechen an Kindern zunehmend online dokumentiert. Viele Straftäter betreiben über Smartphones, Apps und Chatrooms Grooming, um ihre Opfer für sich zu gewinnen. Sie können Pornografie-Websites besuchen oder im Darkweb zu sexuellen Handlungen auffordern. Unweigerlich hinterlassen Straftäter digitale Fußabdrücke.

Daher verwundert es nicht, dass die meisten (88 %) befragten Behördenleiter angeben, dassdigitale Beweismittel die Fallaufklärung erheblich erleichtern. Außerdem trägt der Zugriff auf digitale Beweismittel dazu bei, die Fallabschlussraten zu erhöhen, die Ermittlungszyklen zu verkürzen und das Vertrauen der Staatsanwälte in den Fall zu stärken.

Die Ermittler zahlen für die Analyse dieser digitalen Beweismittel allerdings oft einen hohen Preis.

Die psychischen Auswirkungen auf Ermittler

Im Verlauf der Ermittlungsarbeit muss ein Beamter oft Hunderte oder Tausende schockierende Fotos und Videos von Kindesmissbrauch ansehen. Nicht selten muss dieses Material mehrmals angesehen werden, um Beweismittel zu erfassen und Opfer oder Täter zu ermitteln. Es kann auch notwendig sein, Details der Möbel, des Hintergrunds, der Gesichter oder von Körperteilen manuell zu identifizieren und zu protokollieren. Allein im Rahmen des NCMEC-Programms zur Identifikation von kindlichen Opfern wurden mehr als 322 Millionen Bilder und Videos von vermutetem Kindesmissbrauch überprüft.

Diese Arbeit ist unverzichtbar, andererseits aber ist es kaum möglich, solche Bilder und Videos aus dem Gedächtnis zu verbannen. Und so haben die Ermittlungen oft nachhaltige psychische Auswirkungen auf Strafverfolgungsbeamte. Studien zeigen, dass diese Arbeit zu sekundärem traumatischem Stress, Burnout und Compassion Fatigue führen kann. Auch psychische Nebenwirkungen wie Depression, Angst und Schlaflosigkeit können auftreten.

In einer Studie berichteten 36 % der Strafverfolgungsbeamten von mittelschweren bis schweren sekundären Traumata durch die Konfrontation mit verstörenden Bildern. Eine weitere Studie ergab, dass Ermittler eher Alkohol als Bewältigungsstrategie nutzen, um außerhalb der Arbeitszeiten nicht an Opfer oder Fälle denken zu müssen.6

Verringerung des emotionalen Schadens durch Technologien

Durch den Erwerb digitaler Ermittlungskompetenzen und die Nutzung von Kapazitäten wie künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen des maschinellen Lernens können Ermittler die Sammlung und Analyse von Beweismitteln sowie die Berichterstattung optimieren. Tatsächlich gibt es Tools für Ermittlungsanalytik, die aus verschiedensten Online-Quellen und Mobilgeräten digitale Daten erfassen und helfen können, Inhalte mithilfe von KI-basierten Algorithmen zu filtern und zu analysieren.

Diese Tools können die psychischen Auswirkungen auf Ermittler verringern, indem ähnliche Gesichter, Gegenstände, Standorte und Themen innerhalb von Medieninhalten gekennzeichnet und entsprechend den Fallerfordernissen kategorisiert werden. Dadurch nämlich müssen Ermittler weniger Bilder und Videos manuell prüfen und diese weniger oft ansehen, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit eines sekundären Traumas eventuell verringern lässt.

Darüber hinaus kann die Gesamteffizienz der Ermittlungen durch den Einsatz von Technologie erhöht werden. Lösungen, die KI-basierte Algorithmen nutzen, können Beweismittel aufzeigen und schneller als menschliche Ermittler Zusammenhänge zwischen Straftätern und Opfern erkennen. Zwar ist menschliche Arbeit nach wie vor notwendig, aber so können Opfer wesentlich schneller lokalisiert und gerettet werden. Auch Kapazitäten für die forensische Berichterstattung und die nahtlose Integration in Hash-Datensätze können Behörden bei der Zusammenarbeit unterstützen und Straftäter schneller vor Gericht bringen.

Die Arbeit von Ermittlern in diesem Bereich ist von unschätzbarem Wert, denn so können Netzwerke für Kindesmissbrauch lahmgelegt, Opfer gerettet, Straftäter verfolgt und verlorene Kinder mit ihren Familien wiedervereint werden. Allerdings sind die emotionalen Auswirkungen, die diese Arbeit auf die Ermittlungsbeamten haben kann, der Gesellschaft kaum bewusst. Damit diese Menschen ihre lebensrettende Arbeit fortsetzen können, gilt es, sämtliche digitalen Ermittlungslösungen, die uns zur Verfügung stehen, zu nutzen.

Fortschrittliche Technologie für maschinelles Lernen kann die Strafverfolgung dabei unterstützen, Fälle besser mit relevanten Beweismitteln zu untermauern.

Einerseits bieten vernetzte, ständig verfügbare Geräte und Netzwerke eine Fülle von Vorteilen, andererseits aber bieten Sie Kriminellen Plattformen für Kindesmissbrauch und sexuell explizite Inhalte. Fast wöchentlich berichten die Medien über ein weiteres tragisches Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch.

Jedes Jahr wird eine schwindelerregende Zahl an Fotos und Videos beschlagnahmt und geprüft. 2022 gingen bei der CyberTipline des National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) 32.059.029 Berichte ein. Das NCMEC analysierte 88,3 Millionen Bilder, Videos und andere Dateien im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch – eine Zahl, die mittlerweile noch höher ist und jährlich exponentiell wächst. Kein Wunder, dass Strafverfolgungsbehörden weltweit an ihre Grenzen stoßen.

„Als ich in der Forensik zu arbeiten begann, waren die meisten beschlagnahmten Geräte Desktops und Laptops“, erklärt Randy Kypurz, zertifizierter Prüfer für digitale Forensik bei der Abteilung für Internetkriminalität an Kindern der Seattle Police.

„Wenn wir Mobiltelefone prüfen mussten, war da kaum etwas Relevantes zu finden. Vor Jahren verließen wir einen Tatort meist mit gerade mal einem Mobiltelefon. Heute sind es oft mehr als 30, und 40 Prozent der insgesamt beschlagnahmten Geräte sind Smartphones.“

Die traditionellen Arbeitsabläufe der digitalen Forensik zusammen mit den Verurteilungsrichtlinien und der enormen Anzahl an Straftätern haben zu einer wahren Epidemie geführt. Kindliche Opfer bleiben oft unerkannt, und Ermittlungen zu den entsprechenden Straftaten bleiben aus. Die Kinder bleiben in einem solchen Fall gefährdet.

Eine weltweite Dringlichkeit

Im Zeitalter einer alles durchdringenden Vernetzung können sich Straftäter von praktisch überall aus Zugang zu arglosen Kindern und grauenhaften Inhalten verschaffen. Die heute verfügbare Technologie ermöglicht es selbst einer Einzelperson, mühelos Kindesmissbrauch im großen Stil zu betreiben.

Eric Marques beispielsweise nutzte die Anonymität des Darkwebs, um einen Hosting-Service auf Tor zu betreiben, der 200 Websites für Kindesmissbrauch umfasste. Hunderttausende Straftäter weltweit nutzten diese Websites, die Millionen von Kindesmissbrauchsbildern zur Verfügung stellen, unter anderem mit KleinkindernAn den Ermittlungen, die zu seiner Verhaftung führten, waren 70 Strafverfolgungsbeamte aus mehr als einem Dutzend Ländern beteiligt.

Wenn Millionen von Kindesmissbrauchsbildern von Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmt werden, verbleiben viele dieser Fotos oder Videos auf den Geräten, in der Cloud oder in Beweismittelschränken. Daher ist es dringend notwendig, diese auf zuverlässige Weise zu extrahieren, zu analysieren und bekannte und unbekannte Opfer zu identifizieren. Das bedeutet auch, dass Strafverfolgungsbehörden digitale Technologien einführen müssen, mithilfe derer sie Daten schnell und rechtlich angemessen entsperren, darauf zugreifen und analysieren können.

Optimierung gemeinsamer Ressourcen und Arbeitsabläufe

Ein unabdingbares Ziel Identifikation von mehr Kindesmissbrauchsopfern innerhalb kurzer Zeit.

Einzigartige Algorithmen des maschinellen Lernens können Behörden dabei helfen, schneller Beweismittel aufzufinden. Effizienz und Effektivität einer intelligenten Ermittlungsanalyse-Lösung beruhen nicht nur auf der Fähigkeit, aussagekräftige Erkenntnisse aus allen Datenquellen zu korrelieren und zu prüfen, sondern auch darauf, schnell Beweismittel aufzufinden, wenn Ermittler nicht wissen, wie sie suchen sollen: beispielsweise, worüber Personen sprechen, welche Sprachen sie verwenden, welche Orte sie besucht haben usw.

Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Lösung, die zum einen wesentliche Extraktions- und Analysekapazitäten für den Tatort bietet und zum anderen im Labor noch detailliertere Ermittlungsanalysen durchführen kann. Eine fortschrittliche KI-unterstützte Lösung ermöglicht Folgendes:

Beschleunigung der Beweismittelauffindung durch maschinelles Lernen

Automatische Analytik und Kategorisierung von Bilder und Videos, die durch ein forensisches Verfahren gewonnen wurden und bei denen vermutet wird, dass sie Kindesmissbrauchsmaterial enthalten – unter Einsatz von Algorithmen für maschinelles Lernen, die auf neuronalen Netzen beruhen.

Filtern, Kategorisieren und Exportieren unentdeckter Medienartefakte

Ermittler können Bilder anhand von Kategorien wie Gesicht, Nacktheit, vermuteter Kindesmissbrauch, Waffen und Drogen filtern, so dass sie nur jene Bilder sehen, die bestimmte Suchkriterien erfüllen. Anschließend können neue Medien-Artefakte schnell gekennzeichnet, kategorisiert und in entsprechende Datenbanken eingespeist werden.

Identifizieren und Cross-Matching von Opfern durch Gesichtserkennung

Einzigartige Algorithmen erkennen automatisch Gesichter innerhalb eines Bildes oder Videos, das dem System zur Verfügung steht. Dadurch können Ermittler sofort ein präzises Cross-Matching einzelner Gesichter durchführen. In weiterer Folge können Ermittler schnell zusätzliche Bilder desselben Opfers identifizieren.

Analyse von Gesprächen auf potenzielle Lockversuche oder Missbrauch

Die Verarbeitung natürlicher Sprache reicht weit über reguläre Ausdrücke und einfache Watchlists hinaus und hilft, Namen, Adressen und Standorte sowie weitere Details aus Artefakten wie E-Mails, Websites, SMS oder sogar Bildern, die Text enthalten, zu ermitteln. Hierzu kommt die optische Zeichenerkennung in mehreren Sprachen zum Einsatz.

Nutzung von Daten aus der Public-Domain-Cloud zur Korrelation von Beweismitteln

Visualisierung und Analyse öffentlich verfügbarer Daten aus unterstützten sozialen Medien und Cloud-basierten Quellen in einem einheitlichen Format, um Verhalten zu verfolgen, gemeinsame Verbindungen zu ermitteln und wesentliche Beweismittel zu korrelieren und einen Fall durch eine solide Beweisgrundlage zu untermauern.

Nahtlose Integration mit Projekt VIC, CAID und anderen Hashdatenbanken

Bekannte belastende Bilder werden automatisch durch die Zuordnung von Hash-Werten identifiziert und anschließend anhand vordefinierter Schwerekategorien des Kindesmissbrauchs klassifiziert. Bislang unbekannte Bilder, die entdeckt werden, können ebenfalls kategorisiert, gekennzeichnet und nahtlos wieder in die Datenbanken von Projekt VIC und CAID exportiert werden.

Ein gemeinsamer kooperativer Kampf, um Gerechtigkeit und Schutz für Unschuldige zu gewährleisten

Um Kindesmissbrauch zu verhindern, sind Zusammenarbeit, Echtzeitinformationen und ständiger Einsatz unverzichtbar. Nur können Opfer schnell identifiziert und Kriminelle mitsamt den Inhalten, die sie produzieren und teilen, aus dem Verkehr gezogen werden. Heutzutage nutzen immer mehr Kinder in zunehmend jungem Alter Mobilgeräte – sowohl Telefone als auch Tablets. Dadurch nimmt auch das Risiko solcher Verbrechen zu.

Zudem bewirken die generierten Datenmengen einen massiven Umstieg auf mobile Apps, die Cloud-Speicher nutzen. „Heutzutage sind Beweismittel möglicherweise nicht in dem Land zu finden, in dem Sie leben. Somit ist es unabdingbar, Beweismittel auf Telefonen und nutzergenerierte Inhalte aufzubewahren“, erklärt Arnold Guerin, Polizeibeamter und Technologieexperte vom Canadian Police Centre for Missing and Exploited Children, das von der Royal Canadian Mounted Police verwaltet wird.

„Das ist ein problematisches Szenario, das zu tragischen Situationen führen kann. Neue Opfer zu finden ist ein wesentlicher Schwerpunkt. Dank der Polizei und einer wachsenden Liste von Partnern konnten wir erhebliche Fortschritte machen.“

Eine Gemeinsamkeit aller weltweiten Behörden – aber auch des wachsenden Ökosystems der Technologieanbieter – ist, dass sie ein gemeinsames Ziel verfolgen: Kinder, die zu Missbrauchsopfern wurden, zu ermitteln und zu schützen.

„Ich werde ständig gefragt, wie ich denn diesen Beruf ausüben kann“, so Guerin. „Die Motivation ergibt sich durch die Mission. Ich finde, ich habe den besten Job der Welt – Kinder zu finden und zu retten – weil ich die Fähigkeit dazu habe.“

Dem stimmt auch Richard Brown, Koordinator des Projekts VIC in den USA und Leiter der National Association to Protect Children (Protect.org) zu.

„Das Ziel von Projekt VIC besteht darin, isolierte proprietäre Daten freizugeben und eine Umgebung zu schaffen, in der mithilfe eines beliebigen Tools Falldaten bearbeitet werden können, die von einem anderen Tool innerhalb des Ökosystems von Projekt VIC erstellt wurden. Dies ist unsere internationale Botschaft an die Branche in diesem Bereich der Kriminalität. Im Rahmen von Projekt VIC wird diese Botschaft oft vermittelt, indem Schulungen mit anderen Ländern und dem International Centre for Missing & Exploited Children (ICMEC) abgehalten werden.

All jene, die sich für diese Mission einsetzen, verfolgen ein gemeinsames Ziel. Oder wie es das ICMEC ausdrückt: Jedes betroffene Kind ist eines zu viel. Jedes einzelne Kind hat es verdient, frei von Entführung, sexuellem Missbrauch und Ausbeutung zu leben. Wir setzen uns für weltweit mehr Sicherheit für Kinder ein. Das tun wir, indem wir mit Partnern zusammenarbeiten, uns für mehr Schutz einsetzen und jenen die notwendigen Tools und Schulungen zur Verfügung stellen, die an vorderster Front tätig sind.

Nähere Informationen:

Projekt VIC ist Teil einer weltweiten Strategie zur Entwicklung und Umsetzung optimierter Ermittlungsverfahren im Bereich des sexuellen Kindesmissbrauchs. Ziel dieser Zusammenarbeit zwischen der National Association to Protect Children, Strafverfolgungsbehörden und der Branche ist es, den Informationsaustausch zwischen Strafverfolgungsbehörden weltweit zu verbessern und mehr Opfer innerhalb kürzerer Zeit zu identifizieren. Im Rahmen des Projekts VIC geschieht dies durch die Verbesserung und Standardisierung der technologischen Ressourcen, die den Strafverfolgungsbehörden bei der Prüfung von Kindesmissbrauchsbildern zur Verfügung stehen.2

CAID, das 2013 vom britischen Premier David Cameron ins Leben gerufen wurde, nutzt die neuesten Technologien, um die Verfahren zu transformieren, die Polizeibehörden im Umgang mit Bildern von sexuellem Kindesmissbrauch anwenden. Im Rahmen des Projekts werden alle Bilder zusammengetragen, auf die Polizei und NCA stoßen. Anschließend greifen die Behörden auf die eindeutigen Identifikatoren der Bilder – als Hashes bezeichnet – sowie auf Metadaten zu, um die Art und Weise zu verbessern, wie sie in diesen Kriminalfällen ermitteln und Kinder schützen.

Der Kampf gegen die zunehmende Verbreitung von Kindesmissbrauchsmaterialien im digitalen Zeitalter

2022 sind ganze 31,9 Millionen Meldungen über Materialien zu sexuellem Missbrauch an Kindern eingegangen – ein Anstieg um 47 % gegenüber dem Vorjahr. Verstärkt wurde dieses Phänomen durch die COVID-19-Pandemie und dadurch, dass Menschen mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen.

Eltern stehen vor der großen Herausforderung, ihre Kinder angesichts der zunehmenden Nutzung von Online-Plattformen besser vor Bedrohungen durch Fremde schützen zu müssen. Hinzu kommt, dass Strafverfolgungsbehörden Schwierigkeiten haben, mit der rasanten technologischen Entwicklung mitzuhalten – und gleichzeitig oftmals mit knappen Budgets und Personalmangel kämpfen.

Der Fall von Buster Hernandez kann als Warnung vor den Gefahren, die im Internet lauern, gesehen werden. Der technisch äußerst versierte Krimineller erpresste Jugendliche sexuell. Trotz seiner ausgefeilten Methoden konnten Strafverfolgungsbehörden, Social-Media-Unternehmen und Internetanbieter mit vereinten Kräften Hernandez’ Verhaftung und Verurteilung bewirken.

Das Beispiel zeigt, wie wichtig konstante Wachsamkeit, solide gesetzliche Maßnahmen sowie die Priorisierung von Ressourcen seitens der Strafverfolgungsbehörden sind. Es erinnert uns immer wieder daran, dass wir uns unaufhörlich dafür einsetzen müssen, Kinder vor der schrecklichen Gefahr des Online-Missbrauchs zu schützen.

Den vollständigen Artikel, der in Law Officer veröffentlicht und vom Cellebrite Digital-Intelligence-Experten Jared Barnhart verfasst wurde, gibt es hier zum Nachlesen.