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Kinder zählen zu den verletzlichsten Mitgliedern unserer Gesellschaft. Tragischerweise bedeutet das auch, dass sie Opfer der schlimmsten, gewaltsamsten Verbrechen werden.

Strafverfolgungsbeamte widmen sich mutig dieser Ermittlungsarbeit voller erschütternder Momente, was oft massive psychische Auswirkungen hat. Mithilfe neuer Technologien könnte es möglich werden, die wachsende Zahl traumatisierender Erfahrungen bei Ermittlern zu verringern.

Es passiert einfach zu oft: Eine weitere Schlagzeile, ein weiteres vermisstes Kind. Und wieder Eltern, die mit der unvorstellbaren Trauer leben müssen, weil sie ihr Kind verloren haben. Tag für Tag werden Kinder überall auf der Welt Opfer von Sexhandel, Entführungen und Missbrauch – eine wahre Epidemie, die sich ungehindert ausbreitet. 2022 gingen bei der CyberTipline des National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) mehr als 32 Millionen Meldungen zu vermutetem sexuellem Kindesmissbrauch ein.

Durch den zunehmenden Fortschritt der Technologien werden Verbrechen an Kindern zunehmend online dokumentiert. Viele Straftäter betreiben über Smartphones, Apps und Chatrooms Grooming, um ihre Opfer für sich zu gewinnen. Sie können Pornografie-Websites besuchen oder im Darkweb zu sexuellen Handlungen auffordern. Unweigerlich hinterlassen Straftäter digitale Fußabdrücke.

Daher verwundert es nicht, dass die meisten (88 %) befragten Behördenleiter angeben, dassdigitale Beweismittel die Fallaufklärung erheblich erleichtern. Außerdem trägt der Zugriff auf digitale Beweismittel dazu bei, die Fallabschlussraten zu erhöhen, die Ermittlungszyklen zu verkürzen und das Vertrauen der Staatsanwälte in den Fall zu stärken.

Die Ermittler zahlen für die Analyse dieser digitalen Beweismittel allerdings oft einen hohen Preis.

Die psychischen Auswirkungen auf Ermittler

Im Verlauf der Ermittlungsarbeit muss ein Beamter oft Hunderte oder Tausende schockierende Fotos und Videos von Kindesmissbrauch ansehen. Nicht selten muss dieses Material mehrmals angesehen werden, um Beweismittel zu erfassen und Opfer oder Täter zu ermitteln. Es kann auch notwendig sein, Details der Möbel, des Hintergrunds, der Gesichter oder von Körperteilen manuell zu identifizieren und zu protokollieren. Allein im Rahmen des NCMEC-Programms zur Identifikation von kindlichen Opfern wurden mehr als 322 Millionen Bilder und Videos von vermutetem Kindesmissbrauch überprüft.

Diese Arbeit ist unverzichtbar, andererseits aber ist es kaum möglich, solche Bilder und Videos aus dem Gedächtnis zu verbannen. Und so haben die Ermittlungen oft nachhaltige psychische Auswirkungen auf Strafverfolgungsbeamte. Studien zeigen, dass diese Arbeit zu sekundärem traumatischem Stress, Burnout und Compassion Fatigue führen kann. Auch psychische Nebenwirkungen wie Depression, Angst und Schlaflosigkeit können auftreten.

In einer Studie berichteten 36 % der Strafverfolgungsbeamten von mittelschweren bis schweren sekundären Traumata durch die Konfrontation mit verstörenden Bildern. Eine weitere Studie ergab, dass Ermittler eher Alkohol als Bewältigungsstrategie nutzen, um außerhalb der Arbeitszeiten nicht an Opfer oder Fälle denken zu müssen.6

Verringerung des emotionalen Schadens durch Technologien

Durch den Erwerb digitaler Ermittlungskompetenzen und die Nutzung von Kapazitäten wie künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen des maschinellen Lernens können Ermittler die Sammlung und Analyse von Beweismitteln sowie die Berichterstattung optimieren. Tatsächlich gibt es Tools für Ermittlungsanalytik, die aus verschiedensten Online-Quellen und Mobilgeräten digitale Daten erfassen und helfen können, Inhalte mithilfe von KI-basierten Algorithmen zu filtern und zu analysieren.

Diese Tools können die psychischen Auswirkungen auf Ermittler verringern, indem ähnliche Gesichter, Gegenstände, Standorte und Themen innerhalb von Medieninhalten gekennzeichnet und entsprechend den Fallerfordernissen kategorisiert werden. Dadurch nämlich müssen Ermittler weniger Bilder und Videos manuell prüfen und diese weniger oft ansehen, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit eines sekundären Traumas eventuell verringern lässt.

Darüber hinaus kann die Gesamteffizienz der Ermittlungen durch den Einsatz von Technologie erhöht werden. Lösungen, die KI-basierte Algorithmen nutzen, können Beweismittel aufzeigen und schneller als menschliche Ermittler Zusammenhänge zwischen Straftätern und Opfern erkennen. Zwar ist menschliche Arbeit nach wie vor notwendig, aber so können Opfer wesentlich schneller lokalisiert und gerettet werden. Auch Kapazitäten für die forensische Berichterstattung und die nahtlose Integration in Hash-Datensätze können Behörden bei der Zusammenarbeit unterstützen und Straftäter schneller vor Gericht bringen.

Die Arbeit von Ermittlern in diesem Bereich ist von unschätzbarem Wert, denn so können Netzwerke für Kindesmissbrauch lahmgelegt, Opfer gerettet, Straftäter verfolgt und verlorene Kinder mit ihren Familien wiedervereint werden. Allerdings sind die emotionalen Auswirkungen, die diese Arbeit auf die Ermittlungsbeamten haben kann, der Gesellschaft kaum bewusst. Damit diese Menschen ihre lebensrettende Arbeit fortsetzen können, gilt es, sämtliche digitalen Ermittlungslösungen, die uns zur Verfügung stehen, zu nutzen.