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Einerseits bieten vernetzte, ständig verfügbare Geräte und Netzwerke eine Fülle von Vorteilen, andererseits aber bieten Sie Kriminellen Plattformen für Kindesmissbrauch und sexuell explizite Inhalte. Fast wöchentlich berichten die Medien über ein weiteres tragisches Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch.

Jedes Jahr wird eine schwindelerregende Zahl an Fotos und Videos beschlagnahmt und geprüft. 2022 gingen bei der CyberTipline des National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) 32.059.029 Berichte ein. Das NCMEC analysierte 88,3 Millionen Bilder, Videos und andere Dateien im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch – eine Zahl, die mittlerweile noch höher ist und jährlich exponentiell wächst. Kein Wunder, dass Strafverfolgungsbehörden weltweit an ihre Grenzen stoßen.

„Als ich in der Forensik zu arbeiten begann, waren die meisten beschlagnahmten Geräte Desktops und Laptops“, erklärt Randy Kypurz, zertifizierter Prüfer für digitale Forensik bei der Abteilung für Internetkriminalität an Kindern der Seattle Police.

„Wenn wir Mobiltelefone prüfen mussten, war da kaum etwas Relevantes zu finden. Vor Jahren verließen wir einen Tatort meist mit gerade mal einem Mobiltelefon. Heute sind es oft mehr als 30, und 40 Prozent der insgesamt beschlagnahmten Geräte sind Smartphones.“

Die traditionellen Arbeitsabläufe der digitalen Forensik zusammen mit den Verurteilungsrichtlinien und der enormen Anzahl an Straftätern haben zu einer wahren Epidemie geführt. Kindliche Opfer bleiben oft unerkannt, und Ermittlungen zu den entsprechenden Straftaten bleiben aus. Die Kinder bleiben in einem solchen Fall gefährdet.

Eine weltweite Dringlichkeit

Im Zeitalter einer alles durchdringenden Vernetzung können sich Straftäter von praktisch überall aus Zugang zu arglosen Kindern und grauenhaften Inhalten verschaffen. Die heute verfügbare Technologie ermöglicht es selbst einer Einzelperson, mühelos Kindesmissbrauch im großen Stil zu betreiben.

Eric Marques beispielsweise nutzte die Anonymität des Darkwebs, um einen Hosting-Service auf Tor zu betreiben, der 200 Websites für Kindesmissbrauch umfasste. Hunderttausende Straftäter weltweit nutzten diese Websites, die Millionen von Kindesmissbrauchsbildern zur Verfügung stellen, unter anderem mit KleinkindernAn den Ermittlungen, die zu seiner Verhaftung führten, waren 70 Strafverfolgungsbeamte aus mehr als einem Dutzend Ländern beteiligt.

Wenn Millionen von Kindesmissbrauchsbildern von Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmt werden, verbleiben viele dieser Fotos oder Videos auf den Geräten, in der Cloud oder in Beweismittelschränken. Daher ist es dringend notwendig, diese auf zuverlässige Weise zu extrahieren, zu analysieren und bekannte und unbekannte Opfer zu identifizieren. Das bedeutet auch, dass Strafverfolgungsbehörden digitale Technologien einführen müssen, mithilfe derer sie Daten schnell und rechtlich angemessen entsperren, darauf zugreifen und analysieren können.

Optimierung gemeinsamer Ressourcen und Arbeitsabläufe

Ein unabdingbares Ziel Identifikation von mehr Kindesmissbrauchsopfern innerhalb kurzer Zeit.

Einzigartige Algorithmen des maschinellen Lernens können Behörden dabei helfen, schneller Beweismittel aufzufinden. Effizienz und Effektivität einer intelligenten Ermittlungsanalyse-Lösung beruhen nicht nur auf der Fähigkeit, aussagekräftige Erkenntnisse aus allen Datenquellen zu korrelieren und zu prüfen, sondern auch darauf, schnell Beweismittel aufzufinden, wenn Ermittler nicht wissen, wie sie suchen sollen: beispielsweise, worüber Personen sprechen, welche Sprachen sie verwenden, welche Orte sie besucht haben usw.

Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Lösung, die zum einen wesentliche Extraktions- und Analysekapazitäten für den Tatort bietet und zum anderen im Labor noch detailliertere Ermittlungsanalysen durchführen kann. Eine fortschrittliche KI-unterstützte Lösung ermöglicht Folgendes:

Beschleunigung der Beweismittelauffindung durch maschinelles Lernen

Automatische Analytik und Kategorisierung von Bilder und Videos, die durch ein forensisches Verfahren gewonnen wurden und bei denen vermutet wird, dass sie Kindesmissbrauchsmaterial enthalten – unter Einsatz von Algorithmen für maschinelles Lernen, die auf neuronalen Netzen beruhen.

Filtern, Kategorisieren und Exportieren unentdeckter Medienartefakte

Ermittler können Bilder anhand von Kategorien wie Gesicht, Nacktheit, vermuteter Kindesmissbrauch, Waffen und Drogen filtern, so dass sie nur jene Bilder sehen, die bestimmte Suchkriterien erfüllen. Anschließend können neue Medien-Artefakte schnell gekennzeichnet, kategorisiert und in entsprechende Datenbanken eingespeist werden.

Identifizieren und Cross-Matching von Opfern durch Gesichtserkennung

Einzigartige Algorithmen erkennen automatisch Gesichter innerhalb eines Bildes oder Videos, das dem System zur Verfügung steht. Dadurch können Ermittler sofort ein präzises Cross-Matching einzelner Gesichter durchführen. In weiterer Folge können Ermittler schnell zusätzliche Bilder desselben Opfers identifizieren.

Analyse von Gesprächen auf potenzielle Lockversuche oder Missbrauch

Die Verarbeitung natürlicher Sprache reicht weit über reguläre Ausdrücke und einfache Watchlists hinaus und hilft, Namen, Adressen und Standorte sowie weitere Details aus Artefakten wie E-Mails, Websites, SMS oder sogar Bildern, die Text enthalten, zu ermitteln. Hierzu kommt die optische Zeichenerkennung in mehreren Sprachen zum Einsatz.

Nutzung von Daten aus der Public-Domain-Cloud zur Korrelation von Beweismitteln

Visualisierung und Analyse öffentlich verfügbarer Daten aus unterstützten sozialen Medien und Cloud-basierten Quellen in einem einheitlichen Format, um Verhalten zu verfolgen, gemeinsame Verbindungen zu ermitteln und wesentliche Beweismittel zu korrelieren und einen Fall durch eine solide Beweisgrundlage zu untermauern.

Nahtlose Integration mit Projekt VIC, CAID und anderen Hashdatenbanken

Bekannte belastende Bilder werden automatisch durch die Zuordnung von Hash-Werten identifiziert und anschließend anhand vordefinierter Schwerekategorien des Kindesmissbrauchs klassifiziert. Bislang unbekannte Bilder, die entdeckt werden, können ebenfalls kategorisiert, gekennzeichnet und nahtlos wieder in die Datenbanken von Projekt VIC und CAID exportiert werden.

Ein gemeinsamer kooperativer Kampf, um Gerechtigkeit und Schutz für Unschuldige zu gewährleisten

Um Kindesmissbrauch zu verhindern, sind Zusammenarbeit, Echtzeitinformationen und ständiger Einsatz unverzichtbar. Nur können Opfer schnell identifiziert und Kriminelle mitsamt den Inhalten, die sie produzieren und teilen, aus dem Verkehr gezogen werden. Heutzutage nutzen immer mehr Kinder in zunehmend jungem Alter Mobilgeräte – sowohl Telefone als auch Tablets. Dadurch nimmt auch das Risiko solcher Verbrechen zu.

Zudem bewirken die generierten Datenmengen einen massiven Umstieg auf mobile Apps, die Cloud-Speicher nutzen. „Heutzutage sind Beweismittel möglicherweise nicht in dem Land zu finden, in dem Sie leben. Somit ist es unabdingbar, Beweismittel auf Telefonen und nutzergenerierte Inhalte aufzubewahren“, erklärt Arnold Guerin, Polizeibeamter und Technologieexperte vom Canadian Police Centre for Missing and Exploited Children, das von der Royal Canadian Mounted Police verwaltet wird.

„Das ist ein problematisches Szenario, das zu tragischen Situationen führen kann. Neue Opfer zu finden ist ein wesentlicher Schwerpunkt. Dank der Polizei und einer wachsenden Liste von Partnern konnten wir erhebliche Fortschritte machen.“

Eine Gemeinsamkeit aller weltweiten Behörden – aber auch des wachsenden Ökosystems der Technologieanbieter – ist, dass sie ein gemeinsames Ziel verfolgen: Kinder, die zu Missbrauchsopfern wurden, zu ermitteln und zu schützen.

„Ich werde ständig gefragt, wie ich denn diesen Beruf ausüben kann“, so Guerin. „Die Motivation ergibt sich durch die Mission. Ich finde, ich habe den besten Job der Welt – Kinder zu finden und zu retten – weil ich die Fähigkeit dazu habe.“

Dem stimmt auch Richard Brown, Koordinator des Projekts VIC in den USA und Leiter der National Association to Protect Children (Protect.org) zu.

„Das Ziel von Projekt VIC besteht darin, isolierte proprietäre Daten freizugeben und eine Umgebung zu schaffen, in der mithilfe eines beliebigen Tools Falldaten bearbeitet werden können, die von einem anderen Tool innerhalb des Ökosystems von Projekt VIC erstellt wurden. Dies ist unsere internationale Botschaft an die Branche in diesem Bereich der Kriminalität. Im Rahmen von Projekt VIC wird diese Botschaft oft vermittelt, indem Schulungen mit anderen Ländern und dem International Centre for Missing & Exploited Children (ICMEC) abgehalten werden.

All jene, die sich für diese Mission einsetzen, verfolgen ein gemeinsames Ziel. Oder wie es das ICMEC ausdrückt: Jedes betroffene Kind ist eines zu viel. Jedes einzelne Kind hat es verdient, frei von Entführung, sexuellem Missbrauch und Ausbeutung zu leben. Wir setzen uns für weltweit mehr Sicherheit für Kinder ein. Das tun wir, indem wir mit Partnern zusammenarbeiten, uns für mehr Schutz einsetzen und jenen die notwendigen Tools und Schulungen zur Verfügung stellen, die an vorderster Front tätig sind.

Nähere Informationen:

Projekt VIC ist Teil einer weltweiten Strategie zur Entwicklung und Umsetzung optimierter Ermittlungsverfahren im Bereich des sexuellen Kindesmissbrauchs. Ziel dieser Zusammenarbeit zwischen der National Association to Protect Children, Strafverfolgungsbehörden und der Branche ist es, den Informationsaustausch zwischen Strafverfolgungsbehörden weltweit zu verbessern und mehr Opfer innerhalb kürzerer Zeit zu identifizieren. Im Rahmen des Projekts VIC geschieht dies durch die Verbesserung und Standardisierung der technologischen Ressourcen, die den Strafverfolgungsbehörden bei der Prüfung von Kindesmissbrauchsbildern zur Verfügung stehen.2

CAID, das 2013 vom britischen Premier David Cameron ins Leben gerufen wurde, nutzt die neuesten Technologien, um die Verfahren zu transformieren, die Polizeibehörden im Umgang mit Bildern von sexuellem Kindesmissbrauch anwenden. Im Rahmen des Projekts werden alle Bilder zusammengetragen, auf die Polizei und NCA stoßen. Anschließend greifen die Behörden auf die eindeutigen Identifikatoren der Bilder – als Hashes bezeichnet – sowie auf Metadaten zu, um die Art und Weise zu verbessern, wie sie in diesen Kriminalfällen ermitteln und Kinder schützen.